
Der Fachkräftemangel verschärft sich: Millionen Beschäftigte scheiden bis 2036 aus dem Arbeitsmarkt aus. Hidden Champions wie HOPPECKE reagieren, indem sie ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Ruhestand weiter beschäftigen. Auch Initiativen wie „Generation Ü“ eröffnen neue Wege, um Personalengpässe zu bewältigen.
Bis 2036 erreichen laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft fast 20 Millionen Erwerbstätige das Renteneintrittsalter. Die Lücken, die sie in den Unternehmen hinterlassen, sind nicht leicht zu schließen – es fehlt an Nachwuchskräften. Bereits 2028 werden laut einer Prognose des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung rund 768.000 Fachkräfte fehlen.
Politik und Wirtschaft stehen damit unter erheblichem Druck, Lösungen für den Fachkräftemangel zu finden. Auch die Hidden Champions sind gefordert, neue Wege zu gehen, um gegenzusteuern. Ein Ansatz besteht darin, erfahrene Mitarbeitende möglichst lange im Unternehmen zu halten – auch über das Renteneintrittsalter hinaus. Bei Hidden Champion HOPPECKE sieht man darin eine interessante Option, wenn auch keine Lösung für alle Beschäftigten.
Christoph Hückelheim weiß, wie sehr in seinem Unternehmen erfahrene, langjährige Mitarbeitende wertgeschätzt werden.
„Nächstes Jahr feiern wir unser 100-jähriges Bestehen. Natürlich haben wir keine 100 Jahre alten Mitarbeitenden hier – aber sehr viele Menschen, die schon sehr lange bei uns sind“, sagt Christoph Hückelheim, Group Human Resources Director bei HOPPECKE. Beim Spezialisten für Industriebatteriesysteme und Energiespeicherlösungen mit Sitz im sauerländischen Brilon ist man sich der Bedeutung langjähriger Mitarbeitender für den Unternehmenserfolg bewusst. Jährlich werden diese mit einer Jubilarfeier gewürdigt. „In diesem Jahr feiern 22 Mitarbeitende in Brilon ihr 25-jähriges Betriebsjubiläum, sechs sogar ihr 40-jähriges“, berichtet Hückelheim.
„Wir haben zudem einen Mitarbeiter, der seit 70 Jahren bei HOPPECKE tätig ist. Mit seinen 86 Jahren übernimmt er noch kleinere Aufgaben. Er ist zwar nicht mehr täglich vor Ort, aber eine feste Größe im Unternehmen – und so etwas wie die gute Seele. Die Kolleginnen und Kollegen freuen sich immer, ihn zu sehen.“
Der 86-Jährige ist nicht der einzige Rentner, der über die Regelaltersgrenze hinaus im Unternehmen aktiv ist. Derzeit sind 14 der 700 Mitarbeitenden am Stammsitz trotz „Ruhestand“ weiterhin bei HOPPECKE beschäftigt. „Dabei handelt es sich vor allem um Kolleginnen und Kollegen, die über viele Jahre hinweg technisches Know-how und spezialisiertes Wissen aufgebaut haben und dieses gern weitergeben. Die Bereitschaft dazu ist bei uns zum Glück sehr groß“, sagt Hückelheim.
„Erst gestern hatte ich ein Gespräch mit einem Mitarbeiter, der nun in den Ruhestand geht. Er meinte: ‚Ich hätte hier noch ein paar Themen, an denen ich weiterarbeiten möchte.‘ Das nehmen wir gern an – so kann er sein Wissen an jüngere Kolleginnen und Kollegen weitergeben und sie bei Kunden einführen, die er seit Jahrzehnten betreut.“
Wir befinden uns im ‚War for Talents‘, auch weil sich hier viele große Unternehmen auf engem Raum konzentrieren.
Auf diese Weise kann der Wissenstransfer gelingen und der Fachkräftemangel zumindest teilweise abgefedert werden. Der Group Human Resources Director macht keinen Hehl daraus, dass dieser auch HOPPECKE vor Herausforderungen stellt: „Wir wissen, dass viele ältere Mitarbeitende in den nächsten ein bis drei Jahren in Rente gehen werden. Es entsteht eine planbare Lücke, die wir schließen müssen – und es ist nicht einfach, neue Fachkräfte ins schöne Sauerland zu locken. Wir befinden uns im ‚War for Talents‘, auch weil sich hier viele große Unternehmen auf engem Raum konzentrieren.“
An älteren Mitarbeitenden schätzt man im Unternehmen neben ihrem tiefen Prozessverständnis vor allem ihre Mentalität. „Ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und hohe Verlässlichkeit sind in der Generation unheimlich hohe Güter“, weiß Hückelheim. Für die Beschäftigten selbst werde der Übergang in den Ruhestand so fließender gestaltet. „Manchen fällt es schwer, von einem Tag auf den anderen von 100 auf 0 zu gehen. Das Unternehmen ist mitunter auch der Lebensmittelpunkt. Außerdem stehen viele mit 65 Jahren weiter voll im Saft und finden es gut, noch gebraucht zu werden.“
Natürlich ist es wichtig, Know-how zu sichern und weiterzugeben. Wir müssen uns aber auch fragen: Welches Wissen benötigen wir künftig überhaupt noch? Und was wird durch neue Technologien oder Künstliche Intelligenz ersetzt?
Gleichzeitig wird nicht allen Mitarbeitenden automatisch die Möglichkeit angeboten, nach Erreichen der Regelaltersgrenze in Teilzeit im Betrieb weiterzuarbeiten. „Natürlich ist es wichtig, Know-how zu sichern und weiterzugeben. Wir müssen uns aber auch fragen: Welches Wissen benötigen wir künftig überhaupt noch? Und was wird durch neue Technologien oder Künstliche Intelligenz ersetzt?“ Auch die Kolleginnen und Kollegen in der Fertigung, die körperlich gearbeitet haben, treten grundsätzlich mit Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand ein. „Da halten wir uns recht strikt dran. Und bieten durch das Modell der Altersteilzeit sogar an, eher zu gehen.“
Neben flexiblen Altersteilzeitmodellen und der betrieblichen Altersvorsorge nehmen ältere Arbeitnehmer Hückelheim zufolge vor allem das „sehr ausgefeilte Gesundheitsprogramm“ in Anspruch. „Wir ermitteln durch Umfragen bei den Mitarbeitenden, was gewünscht wird, und bieten neben Sportkursen, Angebote zur Prävention, Ernährung und mentaler Gesundheit an“, führt er aus. „Externe Vorträge zu wichtigen Themen werden zudem online angeboten, sodass auch Schichtarbeitende sie zeitversetzt abrufen können.“
Heike SchulteManfred Kluth verbindet mit "Generation Ü" Unternehmen und Menschen im oder kurz vor dem Ruhestand.
Darüber hinaus unterstützt HOPPECKE die Mitgliedschaft im Fitnessstudio und ermöglicht Physiotherapie sowie Massagen. In Kooperation mit einer Krankenkasse werden außerdem unter anderem Gesundheitschecks angeboten, darunter Diabetes- und Hautkrebsscreening sowie kostenlose Hör- und Sehtests. „Nicht zuletzt profitieren auch wir davon, dass diese Angebote so gut angenommen werden, da sie sich positiv auf die Krankenquote auswirken“, so der Personalchef.
Während man bei HOPPECKE daraufsetzt, erfahrene ältere Mitarbeitende mit Spezialwissen möglichst lange im Unternehmen zu halten, gehen andere Unternehmen noch einen Schritt weiter: Sie suchen gezielt Menschen im fortgeschrittenen Alter, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die Personalvermittlung „Generation Ü“ bringt Unternehmen mit Menschen im oder kurz vor dem Ruhestand zusammen, die sich auf der Plattform des gemeinnützigen Netzwerks registriert haben – inzwischen knapp 2.000 bundesweit.
„Unsere Auftraggeber suchen in der Regel qualifizierte Unterstützung – nach dem Motto: ‚Lieber zwei Tage Erfahrung als null Tage Besetzung.‘ Deshalb konzentrieren wir uns auf die langjährigen Lebens- und Berufserfahrungen von Menschen, die kurz vor dem Ruhestand stehen oder sich bereits darin befinden. Im Mittelpunkt stehen nicht klassische Rollen oder Berufsbilder, sondern Fähigkeiten und Kompetenzen, die dazu beitragen, Fachkräfte zu unterstützen, zu entlasten und Wissen weiterzugeben“, erklärt Vorstand Manfred Kluth.
BMASManfred Kluth nimmt den deutschen Fachkräftepreis in der Kategorie „Erwerbspotenziale“ entgegen.
Aus Gesprächen mit Unternehmen und den sogenannten „Üs“ weiß er, dass beide Seiten profitieren. „Ältere Arbeitnehmer bringen vor allem hohe Motivation mit, ebenso das Interesse an einem zusätzlichen Einkommen zur Rente sowie die oft genannten Tugenden wie Zuverlässigkeit. Vor allem aber haben sie den Wunsch nach Wirksamkeit, Struktur und gesellschaftlicher Teilhabe. Arbeitgeber profitieren wiederum von ihrer Lebenserfahrung und ihren zeitlichen Erwartungen: Unsere Üs streben keine Karriere mehr an, suchen keine Konflikte und wollen sich nicht messen. Teil eines Teams zu sein, gebraucht zu werden und Anerkennung zu erfahren, bedeutet ihnen viel.“
Die Initiative ist mittlerweile preisgekrönt. 2025 gewann „Generation Ü“ den deutschen Fachkräftepreis in der Kategorie „Erwerbspotenziale“ des Bundesarbeitsministeriums. Auf der Website des Ministeriums heißt es dazu: „Generation Ü zeigt, dass der Ruhestand kein Ende, sondern ein neuer Anfang sein kann – für die ältere Generation, für Unternehmen und für unsere Gesellschaft.“

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