
In Frankfurt/Main stieß die Samson AG nach kontinuierlichem Wachstum an ihre Grenzen. Der weltweit führende Hersteller und Entwickler von Regelventilen und -systemen stand vor der Wahl: Ausland, Umbau oder Neubau. Die Entscheidung fiel für einen Neubau der Firmenzentrale im nahegelegenen Offenbach und damit für eine langfristige Sicherung der Arbeitsplätze in Deutschland.
Mit dem Claim „And everything flows“ beschreibt die Samson AG, was sie antreibt. Das Unternehmen ist überall aktiv, wo Öle, Gase, Dämpfe und chemische Substanzen im Fluss sind. Ventile sind das Kerngeschäft.
Den Ursprung bildete die Idee von Gründer Hermann Sandvoss, die Wärmeausdehnung von Flüssigkeiten für die Temperaturregelung zu nutzen. Das erste Thermostatventil war seine Erfindung. Am 1. April 1907 gründete er die Firma Vulcan Technische Apparate Baugesellschaft mbH, die nach seinen Patenten Kondensatableiter und Temperaturregler unter dem Markennamen Samson fertigte. Inzwischen ist aus dem Mittelständler das global agierende Unternehmen Samson AG geworden – mit 4.500 Mitarbeitenden, 60 Tochtergesellschaften in über 40 Ländern und 17 Produktionsstandorten. Dr. Andreas Widl, seit April 2015 Vorstandsvorsitzender, sieht großes Zukunftspotenzial. „Wir machen Industrieanlagen effizienter, sicherer und nachhaltiger. Zudem sind wir Vorreiter in Schlüsseltechnologien wie grünem Wasserstoff, Fernwärme und LNG-Infrastruktur.“
Isabela Pacini/SAMSONDr. Andreas Widl, Vorstandsvorsitzender der Samson AG: „MainChange ist eine Investition von mehr als 450 Millionen Euro in unsere zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.“
Die Eigentümer haben sich klar für den Standort Deutschland entschieden.
Die potenzielle Wachstumsbremse: And everything flows – der eigene Claim traf am Stammsitz in Frankfurt/Main nicht mehr zu. Nach jahrzehntelangen Erweiterungen waren Produktion und Logistik an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. „Drei öffentliche Straßen durchkreuzen das Gelände, Gebäude liegen weit auseinander, Material- und Informationsflüsse waren entsprechend komplex. Das führte zu Umwegen, hohen Lagerbeständen und Ineffizienzen“, beschreibt Dr. Andreas Widl den Ausgangspunkt. Für ihn war klar: „Um unsere industrielle Wertschöpfung und unser Know-how langfristig zu sichern, braucht es eine zeitgemäße, flexible und digital unterstützte Werksinfrastruktur.“ Die Verantwortlichen standen vor der Wahl: Ausland, Umbau oder Neubau? „Die Eigentümer haben sich klar für den Standort Deutschland entschieden“, betont der promovierte Physiker und unterstreicht zugleich: „MainChange ist eine Investition von mehr als 450 Millionen Euro in unsere zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.“
Isabela Pacini/SAMSONEine Baustelle, die derzeit große Fortschritte macht: Samsons Fabrik der Zukunft.
Keine vier Kilometer Luftlinie vom bisherigen Firmensitz entfernt, kaufte Samson 2021 in Offenbach am Main eine 14,3 Hektar große Fläche auf einem brachliegenden Chemiestandort. Das gesamte Areal wird heute Innovationscampus genannt. „Hier konnten wir komplett neu planen, auch wenn die Fläche zunächst aufwändig saniert werden musste“, erklärt der Vorstandsvorsitzende. Im Fokus standen effiziente Abläufe, operative und digitale Transparenz, nachhaltige Architektur und ein modernes Arbeitsumfeld. Die wichtigsten MainChange-Mehrwerte: „Eine zentrale Logistikachse verbindet nun Logistik und Produktion und sorgt für durchgängige Materialflüsse. Wir konnten wichtige Fertigungsbereiche wie etwa unsere hochmoderne Galvanik in den Prozess integrieren. Gleichzeitig haben wir Produktion und Entwicklung räumlich und organisatorisch näher zusammengebracht.“ Im Zuge des Standortaufbaus wurde auch der Maschinenpark umfassend modernisiert – konkret wurde dieser um rund 40 Prozent erneuert und gezielt um Automatisierung ergänzt.
Isabela Pacini/SAMSONDie neue Elektronikfertigung ist bereits seit August 2025 in Betrieb. Hier werden die Stellungsregler produziert und montiert, die die Samson-Ventile steuern.
Seit Oktober 2025 produziert Samson bereits Elektronik in Offenbach, darunter die Stellungsregler, eines der zentralen Produkte im Samson-Portfolio. Mittlerweile erfolgt auch die Materialbereitstellung vollständig lokal in Offenbach. Zur Jahreswende 2026/27 sollen das Werk und die Unternehmenszentrale komplett an den neuen Standort verlagert sein. Samson wird jedoch auch der Stadt Frankfurt/Main verbunden bleiben. Das erst 2017 fertiggestellte Rolf Sandvoss Innovation Center, in dem eigene Neuentwicklungen, aber auch Geräte und Prozesse der Kunden getestet werden, wird an Ort und Stelle bleiben. Abseits davon ist das bisherige Gelände inzwischen veräußert.
Isabela Pacini/SAMSONSamson strebt einen hohen Autarkiegrad in der Energieversorgung an, Photovoltaik auf den Dächern trägt dazu bei.
Zurück zum neuen Standort und der Fabrik der Zukunft. Diese ist ressourcenschonend geplant, energieeffizient konzipiert und auf größtmögliche Eigenversorgung ausgelegt. Durch Nutzung von Photovoltaik und elektrischer Energiespeicher sollen schnellstmöglich nach Umzug mindestens 50 Prozent Autarkie in der elektrischen Energieversorgung erreicht sein. Perspektivisch soll dieser Autarkiegrad weiter steigen, etwa durch den Anbau eines Solarfeldes und die Erweiterung der elektrischen Speicherkapazitäten. „Wir wollen zeigen, dass industrielle Produktion, technologische Exzellenz und ökologische Verantwortung zusammengehören“, sagt Dr. Andreas Widl. Er weiß: „Für viele Menschen ist Nachhaltigkeit heute ein zentrales Entscheidungskriterium bei der Wahl ihres Arbeitgebers. Das Ziel ist, innerhalb unserer Grenzen CO2-neutral zu produzieren.“
Isabela Pacini/SAMSONIn der Technikzentrale sind auch Samson-Geräte verbaut (Fernwärme). Sie soll daher künftig auch als Showroom bei Kundenterminen genutzt werden.
Die Mitarbeitenden standen und stehen ohnehin im Fokus: „Als Teil der Transformation haben wir Hierarchien abgebaut und Zusammenarbeit gestärkt. Das ist auch architektonisch sichtbar: anhand von gleichen Baumaterialien, gleichen Ausstattungsstandards und vergleichbaren Arbeitsbedingungen in allen Bereichen. Es geht uns bewusst um eine zeitgemäße kulturelle Erneuerung“, ist dem CEO wichtig. Bis Ende 2028 hat das Unternehmen zudem eine Beschäftigungsgarantie für die rund 2.000 Teammitglieder am Standort ausgesprochen. „MainChange ist in Zeiten der Verunsicherung und Volatilität ein Stabilitätsanker für die Rhein-Main-Region, unsere Mitarbeitenden und ihre Familien“, bekräftigt Dr. Andreas Widl und macht deutlich, dass Samson auch als AG „die DNA eines Familienunternehmens aufweist. Die Gründerfamilie ist im Aufsichtsrat vertreten und eng mit dem Unternehmen verbunden. MainChange, aber auch Investitionen von 100 Millionen Euro an internationalen Standorten, zeigen: Wir treffen Entscheidungen mit Blick auf Generationen, nicht auf Quartale.“
Hatte der Hidden Champion zwischenzeitlich einmal Zweifel an dem Projekt MainChange? „Natürlich kamen und kommen angesichts der wirtschaftlich unruhigen Zeiten auch Zweifel“, gibt Dr. Andreas Widl zu. „Aber Mut gehört dazu – ohne ihn hätten wir langfristig unsere Innovationskraft aufs Spiel gesetzt und das mit allen organisatorischen Konsequenzen für den deutschen Standort. Wachstum kann nur dann nachhaltig sein, wenn wir die operativen Strukturen mitskalieren.“

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