
Bei Industriesteckvorrichtungen zählt Mennekes seit Jahrzehnten zu den Weltmarktführern. Und wurde dann Pionier der Elektromobilität. Der bisher größte Coup des Hidden Champions: 2014 erklärte das Europäische Parlament das Mennekes-Ladesystem vom „Typ 2“ zum Ladestandard für E-Autos in ganz Europa. Wie dem Mittelständler das gelang und was ein Bobbycar damit zu tun hatte, lesen Sie hier.
Foto: MENNEKES / Gabi SonnenscheinIm Ernstfall hilfreich: Feuerwehrleute mit einer mobil tragbaren Steckdosenkombination sowie Steckern und Kupplungen von Mennekes.
Auch diese Hidden-Champions-Erfolgsgeschichte begann in einer kleinen Werkstatt: 1935 gründete der junge Elektrohandwerker Aloys Mennekes in seinem Elternhaus im sauerländischem Hofolpe, heute ein Ortsteil der Gemeinde Kirchhundem, einen Elektroinstallationsbetrieb. 1949 begann Mennekes mit der Produktion von Industriesteckvorrichtungen. Diese Stecker, Steckdosen und Steckdosenkombinationen sind heute in den verschiedensten Industriebranchen im Einsatz: in Containerhäfen ebenso wie in Logistik- und Rechenzentren, Windparks, in Berg-, Schiff- und Flugzeugbau, in Tunneln und an Bahnhöfen, in der Baubranche, bei Feuerwehr und Katastrophenschutz, in Sportstätten sowie bei Events aller Art.
MENNEKES / Gabi SonnenscheinChristopher Mennekes, geschäftsführender Gesellschafter in dritter Generation: „Wir sind Macher, immer auf der Suche nach neuen Lösungen.“
Schon Ende der 1990er-Jahre erkannte man bei Mennekes das Potenzial der Elektromobilität. „Wir sind Macher, immer auf der Suche nach neuen Lösungen. Als das Thema Elektromobilität aufkam, war uns klar: Für das Laden eines E-Autos benötigt man einen Stecker. Mit Steckvorrichtungen und den notwendigen technischen Voraussetzungen kannten wir uns bestens aus, da wollten wir dabei sein“, erklärt Christopher Mennekes, geschäftsführender Gesellschafter und Repräsentant der Unternehmerfamilie in dritter Generation. Er führt Mennekes seit 2011, nachdem Vater Walter und Onkel Dieter Mennekes den Betrieb ab 1976 zu einem weltweit agierenden Unternehmen ausgebaut hatten.
In einem Feldversuch der deutschen Automobilindustrie entwickelte Mennekes Ende der 1990er-Jahre einen ersten Ladestecker für Elektroautos. „Als die Entwicklung in Deutschland und Europa ab 2008 Fahrt aufnahm, gründeten wir ergänzend zu ‚Industriesteckverbindungen‘ zwei weitere Geschäftsbereiche: ‚eMobility‘ und ‚Automotive‘. Wir intensivierten unsere Gespräche mit den drei Gruppen, die es damals wie heute braucht, um Elektromobilität erfolgreich zu machen: Automobilindustrie, Energiekonzerne sowie nationale und europäische Politik“, berichtet Christopher Mennekes. „Unser Geschäftsführer Volker Lazzaro erfragte zunächst hier wie dort die Anforderungen. Das Feedback floss direkt in die Entwicklung des Ladesystems vom ‚Typ 2‘ ein.“ Schnell umfasste das System alle relevanten Produkte: das Ladekabel mit dem bekannten Mennekes-Stecker, die passenden Ladestationen – sowohl Ladesäulen für das öffentliche Laden als auch Wallboxen vorwiegend für das private Laden –, sowie das Lade-Inlet hinter der Tankklappe der E-Autos. „Auch die benötigten technischen Normen verfassten wir und reichten sie bei den Behörden ein.“
Foto: MENNEKES / Claudia KempfDie Mennekes-Wallbox „Amtron 4Business“, speziell konzipiert für Industrie, Gewerbe und größere Wohnkomplexe.
Um zum Standard zu werden, zogen Volker Lazzaro und Walter Mennekes laut dessen Sohn alle Register. „Beim ‚Elektroautogipfel‘ im Bundeskanzleramt hatte mein Vater einen ‚Blumenstrauß‘ bestehend aus vielen unterschiedlichen Kabeln mit europäischen Haushaltssteckern dabei. Diesen Strauß hielt er bei seinem Vortrag hoch und zeigte, was E-Autofahrern blühen würde, wenn man sich nicht auf einen einheitlichen europäischen Ladestandard einigen könne: ein Kabel- und Steckersalat in jedem Kofferraum.“ Sich der Problematik bereits aus den Bereichen Handy und Haushalt bewusst, sei man sich auf deutscher und europäischer Ebene schnell einig gewesen, dass es einen einheitlichen Ladestandard mit einem einheitlichen Ladesystem braucht. Aber welcher würde es werden? „Es gab zwei konkurrierende Entwürfe, ‚Typ 1‘ aus Japan und ‚Typ 3‘ von einem italienisch-französischen Konsortium“, erinnert sich Christopher Mennekes. „Doch während die Konkurrenz damals lediglich mit Powerpoint- und Papierentwürfen bei der EU-Kommission aufwartete, brachten mein Vater und Volker Lazzaro zur anschaulichen Präsentation bei dem damaligen EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani und EU-Energiekommissar Günther Oettinger eine Ladesäule, ein Ladekabel und ein umgebautes Bobbycar mit Lade-Inlet mit. Auf einer Sackkarre transportierten sie all das unter den ungläubigen Augen des Sicherheitspersonals ins EU-Gebäude“, schmunzelt Christopher Mennekes.
MENNEKES / Claudia KempfSeit dem Einstieg in die E-Mobilität rückt Mennekes auch bei Endverbraucherinnen und -verbrauchern ins Blickfeld.
Doch natürlich überzeugte längst nicht nur die Präsentation. „Der damalige VW-Chef Martin Winterkorn sagte vor Kanzlerin Merkel, die deutsche Autoindustrie habe die unterschiedlichen Ladesysteme getestet – und das beste sei das von Mennekes. 2012 hatten wir unter dem Strich deutsche Autobauer, Energiekonzerne, Politik sowie große Teile der europäischen Automobilindustrie und der EU-Politik von unserem Ladesystem überzeugt.“ Einen Knackpunkt gab es jedoch, so der geschäftsführende Gesellschafter: „Das italienisch-französische Konsortium führte gegen uns an, dass unserem System der Shutter fehle, Berührungsschutz und Kindersicherung. Dieser Berührungsschutz ist in einigen europäischen Ländern bei Steckdosen vorgeschrieben.“ Warum hatte das Mennekes-Ladesystem diesen Shutter nicht? „Weil es ihn nicht braucht. Bei unserem Produkt fließt erst dann Strom, wenn alles verriegelt ist, das Ladekabel fest im Stecker des E-Autos und in der Steckdose der Ladestation verankert ist“, erläutert Christopher Mennekes und erzählt, wie es weiter ging: „Man bestand auf der Shutter-Funktion. Also entwickelten wir sie als optionalen Aufsatz auf unser System. Technisch war das unnötig, aber nun vorschriftenkonform. So nahmen wir die letzte Hürde.“ 2014 ernannte das EU-Parlament das Ladesystem vom Typ 2 per EU-Gesetz zum europäischen Ladestandard für E-Autos.
MENNEKESDer Mennekes-Hauptsitz in Kirchhundem. Hier werden u.a. Wallboxen, Ladesäulen und Steckdosenkombinationen gefertigt.
Auch der öffentlichen Bekanntheit haben der Standard und vor allem der Einstieg ins B2C-Geschäft gutgetan. „Bei den für uns entscheidenden Partnern aus Elektrogroßhandel, Elektrohandwerk, Industrie, Gewerbe und Energieversorgung waren wir bereits bestens bekannt und haben uns den Ruf eines führenden Herstellers erworben. Bürgerinnen und Bürger entdecken den Namen Mennekes nun auf Ladesäulen und Wallboxen oder auf dem blauen Ladekabel-Stecker im Kofferraum ihrer E-Autos“, freut sich Christoph Mennekes. Speziell für das Wallbox-Geschäft hat Mennekes inzwischen auch einen Onlineshop eingerichtet und betreibt Werbe- und Marketingmaßnahmen.
Mennekes-Produkte sind „Made in Germany“. Sie werden am Stammsitz sowie seit 1991 an einem zweiten Standort im sächsischen Sehmatal-Neudorf hergestellt. 1.600 Mitarbeitende werden beschäftigt, zwei Drittel davon hierzulande. Vertrieben werden die Lösungen in mehr als 90 Ländern. Mennekes ist mit Tochtergesellschaften und Vertretungen auf allen Kontinenten präsent.

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Unsere Karte zeigt, wo Innovation und weltweiter Erfolg auch abseits der Metropolen stattfindet.
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