
Würde die Geschichte von Daniel Düsentrieb real verfilmt, Michael Kügelgen, Gründer, Inhaber und Geschäftsführer von MK Technology in Grafschaft bei Bonn, käme für die Rolle des erfindungsreichen Tüftlers infrage. Das Unternehmen ist einer der führenden Hersteller von Feingussanlagen, entwickelt und fertigt Spezialmaschinen, aber auch E-Flugzeuge sowie aktuell vermehrt Drohnen.
Michael Kügelgen ist in Afrika geboren und die ersten Jahre aufgewachsen. Beide Eltern waren Missionsärzte. Wenn größere Strecken zurückzulegen waren, flog die Familie. „Das hat schon früh meine Leidenschaft fürs Fliegen geweckt“, so der heutige Hobbypilot, der findet: „Fliegen macht den Horizont weit.“ Schon mit sieben Jahren baute er die ersten Modellflugzeuge. In der Schule indes blieb er zweimal sitzen und wurde einmal verwiesen, was wieder einmal zeigt, dass eine unkonventionelle Schulbiographie einer Karriere nicht im Wege stehen muss. „Was mich inhaltlich nicht gefesselt hat, habe ich links liegengelassen“, sagt der Diplom-Ingenieur, der in Aachen Maschinenbau studiert hat, zu seiner Vita.
MK Technology, im Bild CEO Michael Kügelgen, hat bereits 16 Innovationspreise gewonnen.
Ähnlich ist es bis heute. MK Technology, 1997 gegründet, widmet sich vielfach selbst gestellten Aufgaben. „Wenn es funktioniert, finden sich meist auch Kunden“, erklärt Michael Kügelgen seine Strategie. Diese fußt darauf, revolutionäre Ideen, „die mich anfliegen“, in die Tat umzusetzen und dabei technische Probleme aus dem Weg zu räumen. „Genau das eröffnet die Chance, wirklich neue Türen aufzumachen“, weiß der Mittelständler, dessen Unternehmen bereits 16 Innovationspreise gewann. MK Technology ist entsprechend vielfältig aufgestellt und erfindet sich quasi immer wieder neu. Darum wissend, kommen inzwischen auch Auftraggeber mit ungewöhnlichen Aufgabenstellungen auf MK Technology zu. „Könnt Ihr nicht auch das und das?“, lautet dann die Frage. Die Herstellung von Dampfautoklaven beispielsweise, die zum Auswachsen im Fertigungsprozess benötigt werden, wurde von einem Kunden initiiert.
MK TechnologyMK Technology baute den größten Dampfautoklav der Welt.
Den unternehmerischen Anfang bildeten Vakuumgießanlagen für das Rapid Prototyping. Rapid Prototyping ist ein Verfahren zur schnellen Herstellung physischer Prototypen oder Funktionsmodelle. Der Internetkonzern Meta zum Beispiel bestellte eine entsprechende Anlage für seine VR-Brille „Oculus“. Auch die US-Sicherheitsbehörde FBI war bereits Auftraggeber in diesem Segment. „Was sie mit unserer Vakuumgießanlage gebaut haben, hat man uns aber natürlich nicht verraten“, schmunzelt Michael Kügelgen.
Zweites und inzwischen noch stärkeres Standbein wurden Feingussanlagen. Das uralte Metallgießverfahren ist hochpräzise. Es wird u.a. für die Herstellung komplexer Bauteile für die Luft- und Raumfahrt genutzt, wo es bekanntlich auf jedes Detail ankommt. 2016 beauftragte das Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk MK Technology. Der Mehrwert, den die gelieferte Anlage bietet: Mit ihr kann ein Raketentriebwerk innerhalb eines Tages gebaut werden. Zuvor habe ein solcher Prozess Wochen in Anspruch genommen. Bis heute bestellt SpaceX regelmäßig Verschleiß-/Ersatzteile bei dem deutschen Hidden Champion nach.
MK TechnologyDer „MK Booster“ sorgt für die Hochgeschwindigkeitstrocknung von Schalen in der Prototypfertigung.
„Alle genannten Kunden haben uns kontaktiert“, freut sich Michael Kügelgen. „Wir haben dort nicht akquiriert und wären auch niemals darauf gekommen“, gibt er zu. MK-Anlagen sind mittlerweile auf allen fünf Kontinenten im Einsatz, bei Konzernen ebenso wie bei mittelständischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Dienstleistern. Vertreten sind zahlreiche Branchen, von der Luft- und Raumfahrt über die Automobilindustrie, Medizintechnik und den Maschinenbau bis hin zu Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik. Die Exportquote liegt bei 80 Prozent.
Und all das gelingt mit einem Team von „nur“ 25 Mitarbeitenden. Michael Kügelgen erläutert: „Ich habe schon in frühen Berufsjahren festgestellt, wie ineffektiv manche großen Konzerne arbeiten. Meiner Erfahrung nach kommt es auf wenige wirklich gute Köpfe an.“ Für MK Technology seien „herausragende Handwerker“ elementar. Beschäftigt werden vor allem Feinwerkmechaniker, Elektroniker und Konstrukteure.
MK TechnologyBei Serienprodukten setzt MK Technology auf eine hochautomatische Fertigung mit Roboter-Einsatz.
Zurück zu den Produkten: Noch viel Potenzial sieht Michael Kügelgen im selbst kreierten Hochtemperaturstand. Dieser kann unter anderem genutzt werden, um Triebwerkschaufeln und deren Beschichtungen zu testen beziehungsweise zu optimieren. Das Ziel: sie leiser und effizienter zu machen.
Zu den Innovationen zählt außerdem "eMagic One", ein elektrisch angetriebenes ultraleichtes Kleinflugzeug, womit MK Technology E-Mobilität in der Luft umsetzt. Weitere Besonderheit: „eMagic One“ kann senkrecht starten und landen, ähnlich wie ein Hubschrauber. Enorm flexibel, benötigt es also keine lange Start- und Landebahn. Apropos Hubschrauber: Michael Kügelgen hat einen eigenen Helikopter und Helipad am Firmensitz. Für sein persönliches Transportgerät entwickelte der Tüftler eine rollende Plattform, mit der der Helikopter per Fernsteuerung aus dem Hangar geholt und auch wieder hineingefahren werden kann. Auf der Plattform erfolgen auch Start und Landung.
Aktuell beschäftigt sich MK Technology vor allem mit dem Bau von Drohnen. „Schon vor 35 Jahren habe ich solche fliegenden Roboter entwickelt, war der Zeit aber damals voraus“, berichtet Michael Kügelgen. Der heutige Anspruch: bessere Drohnen zu fertigen als die, die es bisher auf dem Markt gibt. „Unsere unbemannten Flugzeuge sind aerodynamisch ausgefeilter als andere und von unnötigem Ballast befreit. Wir haben sie beispielsweise mit einem Pneumatic Launcher für den Start ausgestattet.“ Eines der Drohnen-Projekte von MK Technology, kofinanziert von der Europäischen Union und dem Land Rheinland-Pfalz, ist die Entwicklung eines autonomen Drohnensystems zur Detektierung und Zerstörung von Landminen.
Michael Kügelgen im Cockpit seines E-Flugzeugs „eMagic One“.
MK Technology wird stark von seinem CEO geprägt. Michael Kügelgen hat jedoch längst das eigentliche Rentenalter erreicht. Wie geht es weiter? „Zum einen reizt mich der Ruhestand nicht. Ich bin zum Glück bei bester Gesundheit, wie die regelmäßigen Flugtauglichkeitsuntersuchungen bestätigen, und mache weiter. Zum anderen habe ich erfreulicherweise zwei junge Menschen im Betrieb, denen ich meine Nachfolge zutraue.“
Transparenzhinweis: Zu den Kriterien, um als Unternehmen auf unserem Hidden-Champions-Portal gelistet zu werden, gehört die Mindestzahl von 50 Mitarbeitenden. MK Technology beschäftigt 25. Wir haben eine Ausnahme gemacht, denn diese Geschichte wollten wir erzählen. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Simon stuft MK Technology als Hidden Champion ein. Auch das trug zu unserer Entscheidung bei.

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Unsere Karte zeigt, wo Innovation und weltweiter Erfolg auch abseits der Metropolen stattfindet.
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