
Mit dualem Studium, Abschlussarbeiten, Praktika oder Traineeprogrammen gewinnen Deutschlands Hidden Champions früh Nachwuchs für sich. Unternehmen wie ifm, Viega und Nabaltec ermöglichen Studierenden Praxiseinblicke und sichern sich so Fachkräfte. Zwei Hochschulen bieten den Marktführern des deutschen Mittelstands sogar exklusive Formate der Zusammenarbeit.
Die Oberpfalz – landschaftlich reizvoll und eine attraktive Urlaubsregion. „Doch im Rest von Deutschland wird sie wirtschaftlich und technologisch häufig noch immer als eher strukturschwach und wenig fortschrittlich wahrgenommen“, sagt Werner Prell, Professor an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH AW). Dabei sind zahlreiche Unternehmen aus der Oberpfalz international äußerst erfolgreich tätig. Vielen ist jedoch kaum bekannt, dass sich unter ihnen sogenannte Hidden Champions befinden – nicht zuletzt, weil diese überwiegend im B2B-Bereich agieren.
OTH Amberg-WeidenWerner Prell bei einer Veranstaltung der "Hidden Champions Oberpfalz"
Dieses Wahrnehmungsdefizit wollte Werner Prell gezielt adressieren. Vor seiner Tätigkeit an der OTH AW war er selbst in zwei Hidden-Champion-Unternehmen tätig und kennt deren Bedeutung aus erster Hand. „Diese Unternehmen sind oft weltweit agierende Spitzenunternehmen in ihrem Technologiefeld. Dennoch waren sie vielen Studierenden kaum bekannt. Auch Rückmeldungen aus der Region zeigen, dass die öffentliche Wahrnehmung häufig hinter der tatsächlichen wirtschaftlichen Stärke zurückbleibt“, so Prell.
Zugleich stehen diese Unternehmen vor der Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. „Wie sollen sich Studierende oder Absolventinnen und Absolventen bei diesen Firmen bewerben, wenn sie sie gar nicht kennen?“, so Prell weiter. Vor diesem Hintergrund initiierte er im Jahr 2022 – als Sprecher der Bezirksgruppe Amberg-Weiden des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), Bezirksverein Bayern NordOst – gemeinsam mit der OTH AW sowie mit Unterstützung von Andreas Keck aus der Öffentlichkeitsarbeit der Fakultät Maschinenbau und Umwelttechnik die Veranstaltungsreihe „Hidden Champions Oberpfalz“.
Im Rahmen der Reihe präsentieren sich regionale Unternehmen einem breiten Publikum. Die Veranstaltungen finden hybrid statt, sodass neben Studierenden der OTH AW auch Mitglieder des VDI sowie die interessierte Öffentlichkeit teilnehmen können. Ziel ist es, die Sichtbarkeit der Unternehmen zu erhöhen, den direkten Austausch zu fördern und konkrete Anknüpfungspunkte für Praktika, Werkstudententätigkeiten oder den Berufseinstieg zu schaffen.
Die Vorträge werden aufgezeichnet und anschließend sowohl über die Kanäle der OTH AW als auch über die Websites der beteiligten Unternehmen sowie auf YouTube veröffentlicht. „Dadurch entfaltet die Veranstaltungsreihe eine nachhaltige Wirkung über den eigentlichen Termin hinaus“, erklärt Prell.
Die Resonanz ist durchweg positiv: Während die Organisatoren zu Beginn noch aktiv für das Format werben mussten, kommen inzwischen viele Unternehmen von sich aus auf sie zu. Neben steigenden Bewerbungszahlen profitieren auch Kooperationen zwischen Unternehmen, Hochschule und weiteren Akteuren. Nicht zuletzt trägt die Reihe dazu bei, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Oberpfalz stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Als mittelständisches Unternehmen ist es uns ein wichtiges Anliegen, frühzeitig mit potenziellen Fachkräften in Kontakt zu kommen und das Interesse für unsere Branche und unser Unternehmen zu wecken.
Die Nabaltec AG, Hidden Champion in der Herstellung von umweltfreundlichen, flammhemmenden Füllstoffen und Spezialoxiden, hat sich 2025 im Rahmen des Formats den OTH-Studierenden präsentiert und sie live sowie virtuell in ihren Firmensitz nach Schwandorf eingeladen.
„Die Teilnahme bot uns die Möglichkeit, Studenten einen Einblick in unser Unternehmen, unsere Technologien und unsere Innovationen zu geben. Als mittelständisches Unternehmen ist es uns ein wichtiges Anliegen, frühzeitig mit potenziellen Fachkräften in Kontakt zu kommen und das Interesse für unsere Branche und unser Unternehmen zu wecken. Gleichzeitig möchten wir als regional verankertes Unternehmen unseren Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Oberpfalz leisten“, erklärt Michael Birzer, Bereichsleiter Kaufmännische Dienste bei Nabaltec. Für das Unternehmen hat sich die Teilnahme durchaus gelohnt. Es habe viele interessierte Anfragen gegeben. „Und wir konnten einen verstärkten Bewerbungseingang feststellen.“
ifmVolker Bessel weiß, wie wichtig die Kontakte zu Hochschulen für die ifm-Unternehmensgruppe sind.
Auch über weitere Formate sucht Nabaltec den Austausch mit Studierenden. So war das Unternehmen bereits beim „Career Day“ der Hochschule vertreten. Zudem haben Studierende die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeit im Unternehmen zu schreiben. „Für einige Absolventinnen und Absolventen bedeutete dies in der Vergangenheit auch den Einstieg in eine berufliche Karriere bei Nabaltec“, berichtet Birzer.
Auch die ifm-Unternehmensgruppe setzt auf vielfältige Kooperationen mit Hochschulen, um frühzeitig mit Studierenden in Kontakt zu kommen. „Die Zusammenarbeit mit Hochschulen hat zahlreiche Aspekte und erstreckt sich über unser Programm ‚Young Innovators‘, mit dem wir die Lehre mit modernster Technologie und Know-how versorgen, über Unterstützung von Laboren bis hin zum Sponsoring studentischer Initiativen, wie der ‚Formula Student‘“, nennt Volker Bessel, Manager HR Marketing beim Hersteller industrieller Automatisierungstechnik und Digitalisierung, Beispiele.
Seit vielen Jahren setzt man bei ifm ebenfalls auf das Duale Studium, zunächst an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg nahe des Standortes Tettnang am Bodensee, mittlerweile auch in Kooperation mit den Fachhochschulen in Essen und Siegen. „Durch die ständige Einbindung der dual Studierenden sind diese auch immer informiert über Projekte und kennen das Team, die Strukturen und Prozesse. Dadurch sind sie nach Abschluss des Studiums auch direkt eingearbeitet und können voll produktiv in die Teams einsteigen“, betont Bessel die Vorteile des dualen Studienmodells für Unternehmen und Nachwuchskräfte.
Jährlich beginnen durchschnittlich etwa 12 bis 15 Studierende ein duales Studium bei der ifm-Unternehmensgruppe. Grundsätzlich erhalte jeder Absolvent ein Übernahmeangebot – sehr viele nähmen dieses auch an. Als Recruiting-Maßnahme allein reiche das duale Studium aber nicht aus. „Der Bedarf ist deutlich höher und diverser. Mit dem dualen Studium decken wir nur bestimmte, häufig gesuchte Profile ab. Welchen Bedarf es in den folgenden Jahren geben wird, können wir auch nicht so exakt vorhersagen. Da das Studium einige Jahre dauert, stehen die jungen Menschen erst mittelfristig voll zur Verfügung. Kurzfristige Bedarfe können so also nicht gedeckt werden. Deswegen erfolgt der Großteil der Einstellungen im Ingenieurbereich nicht über die dual Studierenden, sondern über andere Recruiting-Wege“, sagt Bessel.
ViegaKirstin Aspelmeyer beschreibt Nachwuchsförderung als einen elementaren Bestandteil der Personalpolitik bei Viega.
Für das Unternehmen Viega ist Nachwuchsförderung „ein elementarer Bestandteil der Personalpolitik“, unterstreicht Kristin Aspelmeyer, Team Lead Employer Branding, Onboarding, Application Management Europe. Der Hidden Champion im Bereich der Sanitär- und Heizungstechnik mit Sitz in Attendorn im Sauerland kooperiert u.a. mit der Universität Siegen, der TH Köln, der FH Südwestfalen, der EAH Jena und der RWTH Aachen. Studierende können ein duales Studium im Bereich IT oder Ingenieurwesen aufnehmen – mit Blockphasen an der Hochschule und im Unternehmen –, Praktika bei Viega machen, Projekt- oder Abschlussarbeiten schreiben oder sich für ein 18-monatiges Traineeprogramm bewerben.
Bereits in den ersten Semestern möchte Viega für Studierende sichtbar sein und über Karrierewege informieren. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Karrieretage der Hochschulen. „Zum einen sind es für uns Orte des wertvollen Austausches – natürlich mit möglichen Kandidatinnen und Kandidaten, aber auch um zu verstehen, was (junge) Menschen bewegt und welche Erwartungen sie an einen Arbeitgeber haben. Wir nehmen aus solchen Veranstaltungen immer wertvolle Impulse mit“, sagt Kristin Aspelmeyer.
An der RWTH Aachen ist Viega regelmäßig bei verschiedenen Career Days präsent. „Uns ist es wichtig, kontinuierlich und über das gesamte Jahr eine Präsenz an der Hochschule zu haben. Gerade als B2B-Unternehmen und Hidden Champion ist die Herausforderung groß, eine sichtbare und bekannte Arbeitgebermarke zu werden. Je häufiger Studierende mit uns in Kontakt kommen, desto höher die Chancen, dass sie Viega als Arbeitgeber in Betracht ziehen“, betont Kristin Aspelmeyer.
Martin BraunAnja Robert kennt die spannenden Entwicklungsmöglichkeiten, die die Hidden Champions Absolventen zu bieten haben.
Unternehmen für Studierende sichtbar zu machen, ist ein erklärtes Ziel des Career Centers der RWTH Aachen, das seit 20 Jahren als Drehscheibe zwischen den Studierenden und den Unternehmen fungiert. „Wir vermitteln zwischen drinnen und draußen. Zum einen zeigen wir den Studierenden alle Facetten des Arbeitsmarktes und zum anderen sehen die Unternehmen die hervorragend qualifizierten Arbeitskräfte, die ihnen zukünftig zur Verfügung stehen“, sagt Anja Robert, Koordinatorin des Career Centers. Sie und ihr Team organisieren u.a. Career Days für internationale Studenten, für Frauen, zum Thema Digitalisierung – und ab 2020 auch einen für Hidden Champions.
„Die Studierenden kamen auf uns zu und fragten: ‚Wir haben gehört, dass Hidden Champions interessante Arbeitgeber sind. Aber wo finden wir die?‘ Das Career Center hat diese Unternehmen an die Hochschule geholt und ihnen eine Plattform zur Präsentation geboten“, erinnert sich Robert. Fortan fand der „(Digital) Career Day Hidden Champions“ ein- bis zweimal jährlich statt.
„Wir wissen ja, das Studierende oft nur die großen Konzerne im Blick haben und gerade jetzt sehr verunsichert sind, weil dort teilweise nicht mehr eingestellt wird. Und wir wissen auch: Da gibt es ja noch den innovativen Mittelstand, wo Entwicklung und Marktmacht sitzen. Die Hidden Champions sind oft viel agiler, viel innovativer und viel internationaler und die Studierenden haben nach ihrem Abschluss dort von Anfang an Mitwirkungsmöglichkeiten“, lautet die Erfahrung von Anja Robert.
Zeigt euch! Wir haben tolle junge Talente an den Hochschulen, die die Hidden Champions nicht kennen.
Gerne hätte das Career Center den Career Day für die unbekannten Helden der deutschen Wirtschaft fortgeführt. Nach der Veranstaltung im Sommer 2024 musste er jedoch pausieren. „Zu wenige Unternehmen beteiligten sich – die Zurückhaltung ist groß, und ich verstehe nicht warum“, so Robert. Ihr Appell an die Unternehmen: „Zeigt euch! Wir haben tolle junge Talente an den Hochschulen, die die Hidden Champions nicht kennen. Das ist so schade. Wenn genügend Hidden Champions Interesse zeigen, lassen wir den Career Day sofort wieder aufleben.“
Hinweis in eigener Sache: Ein Weg für Hidden Champions, als Arbeitgeber auf sich aufmerksam zu machen und freie Positionen zu besetzen, ist auch das Hidden-Champions-Jobportal. Jobsuchende wiederum finden hier konzentriert und selektiert freie Stellen bei den Hidden Champions.

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Unsere Karte zeigt, wo Innovation und weltweiter Erfolg auch abseits der Metropolen stattfindet.
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