Zwei Männer stehen vor einem Lieferwagen.
Sinnack

Vom Pumpernickel-Bäcker zum Pionier der Aufbackbrötchen

Wie Sinnack in Bocholt zu einer leistungsfähigen Großbäckerei wurde, ist eine echte Hidden-Champions-Geschichte.
05.01.2026von Jennifer Uhlenbruch

12 Millionen Brötchen produziert das Familienunternehmen Sinnack täglich. In ganz Deutschland gibt es die Aufbackware zu kaufen, exportiert wird sie zusätzlich in 19 Länder. Ein Erfolg, der auf Unternehmergeist, Innovationskraft und stabilen Partnerschaften basiert – auf all das war in herausfordernden Zeiten bisher besonders Verlass.

Die Erfolgsgeschichte begann vor rund 125 Jahren mit Julius Sinnack, einem Herner Bäcker aus einfachen Verhältnissen. „Beim Besuch der Cranger Kirmes wurde er mit einem Messer schwer verletzt“, erzählt Lena Sinnack, die das Unternehmen heute gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Vater in dritter und vierter Generation führt. „Julius wurde nach Bocholt gebracht, wo seine Schwester lebte. Sie pflegte ihn gesund.“ Als es ihrem Urgroßvater wieder besser ging, half er zunächst als Lieferwagenfahrer aus – und entwickelte eine Idee: Er wollte ein Vertriebsnetzwerk aufbauen und Brote aus der eigenen Bäckerei in ganz Bocholt vertreiben.

Lena Sinnack lächelt in die KameraJennifer Uhlenbruch

Lena Sinnack führt das Familienunternehmen gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem Mann.

Zunächst richtete er sich in einem Schuppen im Garten eine Bäckerei ein und kaufte sich, als er das Geld beisammenhatte, seinen ersten Lieferwagen. Der Vater von sechs Kindern stellte klassische Brote wie Pumpernickel her und ließ sie in ganz Bocholt ausliefern. Nur wenige Jahre später konnte Julius Sinnack größere Räume beziehen, und 1907 wurde das expandierende Unternehmen als „Bocholter Brotfabrik“ ins Handelsregister eingetragen.

Interesse an modernen Technologien

1942 starb Gründer Julius Sinnack. Zunächst leitete seine Frau Anna den Betrieb weiter. „Bis mein Opa, Julius Hermann Sinnack, an seinem 35. Geburtstag 1945 aus der Kriegsgefangenschaft nach Bocholt zurückkehrte“, erzählt Lena Sinnack. „Er war sehr an modernen Technologien interessiert und trieb die Firma innovativ voran. In den 1960er-Jahren baute er auf der grünen Wiese neue Räumlichkeiten und nahm dort die ersten Durchlauföfen in Deutschland in Betrieb. Die Öfen wurden gemeinsam mit Backofenbauern nach unseren Anforderungen entwickelt.“ Die Firma beschäftigte zu dieser Zeit bereits rund 40 bis 50 Mitarbeiter. Ihr Großvater habe den Betrieb strukturiert geführt.

Männer stehen vor einem Industriebackofen.Sinnack

Julius Herrmann Sinnack nahm die ersten Durchlauföfen in Deutschland in Betrieb.

Aber das Schicksal traf die Familie hart: Julius Hermann Sinnacks Frau starb nur sieben Wochen nach der Entbindung von Zwillingen. Und er selbst, als Lena Sinnacks Vater – Julius Peter Sinnack – 17 Jahre alt war. „Mein Vater konnte die Firma 1970 mit nur 19 Jahren übernehmen, weil er – entgegen der damals üblichen 21 Jahre – für volljährig erklärt wurde“, berichtet Lena Sinnack. Eine enorme Herausforderung, die er – gelernter Bäcker, aber kein ausgebildeter Kaufmann – meisterte.

Der Weg in die Aufbackära

Wirtschaftlich schwierige Zeiten brachte später der Siegeszug der Discounter; das Sortiment musste gestrafft werden. „Aber dann sah mein Vater in Frankreich Produkte, die die Menschen zuhause fertigbacken konnten“, erzählt Lena Sinnack. „Daraufhin brachte er Ende der 1970er-Jahre die ersten Brötchen und Baguettes zum Fertigbacken in Deutschland auf den Markt.“

Dass Sinnack direkt einen der größten Discounter als Kunden gewann – und bis heute beliefert – war der Wendepunkt. 1983 wurde die gesamte Produktion von Broten auf Aufbackware umgestellt. 1988 folgte das erste Kräuterbaguette zum Fertigbacken. 1994 entstand ein zweites Werk in Sachsen-Anhalt – und das Unternehmen wuchs weiter.

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Ich kenne die Namen all unserer Mitarbeiter – und bei vielen auch ihre Familiengeschichten.

Lena Sinnack

Heute beliefert Sinnack die marktführenden Handelsunternehmen im In- und Ausland. Das Unternehmen hat knapp 600 Mitarbeiter, die meisten nach wie vor am Stammsitz in Bocholt. „Ich kenne die Namen all unserer Mitarbeiter – und bei vielen auch ihre Familiengeschichten“, betont Lena Sinnack. „Wir beschäftigen Menschen aus 24 Nationen. Einige kamen unter schwierigen Bedingungen zu uns, haben einfache Tätigkeiten begonnen und ihren Kindern großartige Möglichkeiten eröffnet. Viele dieser Kinder sind heute hervorragend ausgebildet. Das macht mich besonders stolz.“

Als Bocholterin, die im Ort wohnt und täglich im Werk präsent ist, begegnet sie vielen Menschen aus der Belegschaft auch außerhalb des Unternehmens. „Daraus erwächst auch Verantwortung – gerade in schwierigen Zeiten.“

Corona-Jahre und Kostenexplosion

„In der Corona-Zeit haben wir sehr viel gearbeitet – wie die ganze Branche“, sagt Lena Sinnack. „Die größeren Schwierigkeiten folgten allerdings mit der Energie- und Rohstoffkrise.“ Sie betont: „Unsere Energiekosten und die Preise für Rohstoffe und Vorprodukte sind massiv gestiegen. Auch unsere Lieferanten mussten in bestehende Verträge eingreifen, um ihre eigenen Kosten decken zu können – und so ging es auch uns.“ In dieser Situation bat Sinnack den Handel um Krisenzuschläge. „Die großen Handelspartner haben uns unterstützt. Als sich die Situation später teilweise entspannte und Kosten wieder sanken, konnten wir diese Zuschläge auch wieder zurückgeben. Nicht alles ist wieder wie früher, aber das, was günstiger wurde, haben wir weitergegeben.“

Lena Sinnack sieht vor allem den Fachkräftemangel als zentrale Herausforderung. „Das Handwerk stirbt – aber wir brauchen qualifizierte Mitarbeitende, um hochwertige Produkte herzustellen.“ Sinnack ist daher im Austausch mit Hochschulen, insbesondere im Bereich Lebensmitteltechnologie, um frühzeitig Nachwuchs zu gewinnen.

Ein Luftbild zeigt die Firma Sinnack von obenSinnack

Das Unternehmen Sinnack hat knapp 600 Mitarbeiter, die meisten nach wie vor am Stammsitz in Bocholt.

Seit 2020 ergänzen Bioprodukte das Sortiment. „Unsere Produkte sind frei von Konservierungsstoffen – das entspricht dem Clean-Label-Trend.“ Auch technologisch stellt das Unternehmen die Weichen: „Wir planen, in unserer Logistik ein fahrerloses Transportsystem einzusetzen“, erklärt sie. „Das reduziert den Personaleinsatz – aber wir wollen niemanden entlassen. Stattdessen qualifizieren wir Mitarbeitende um und gleichen Veränderungen durch natürliche Fluktuation aus. So sichern wir Arbeitsplätze und entwickeln uns gleichzeitig weiter. Wir leben Verbindlichkeit und Verlässlichkeit vor. Das ist unser Familienunternehmen – und das sind unsere Werte.“

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