
Aachener Printen, Nürnberger Lebkuchen, Dresdner Stollen: Die Lambertz-Gruppe führt als einziger Anbieter die drei zentralen deutschen Traditionsgebäcke in ihrem Sortiment. Dabei hatte der heutige Alleininhaber Dr. Hermann Bühlbecker, als er 1978 die Leitung des Familienunternehmens übernahm, nur ein Ziel: den damals angeschlagenen Printen-Produzenten zu retten. Es gelang weit mehr als das.
„Haus zur Sonne“ klingt bereits verheißungsvoll. So hieß das urhistorische Bäckerei-Geschäft, das 1688 von Henry Lambertz am Aachener Markt eröffnet wurde. Was zugleich erklärt, warum ein grafisches Sonnengesicht das Lambertz-Markenlogo ist. Sonnig startete auch die Firmenhistorie: Den ersten größeren Meilenstein stellte die Herstellung der Schokoladenprinte dar. Die Tochter von Henry Lambertz war durch Zufall auf die Idee gekommen, die traditionelle Kräuterprinte in einen Schokoladenkübel zu tauchen: Das erste deutsche Gebäck mit Schokoladenüberzug war geboren. Der Betrieb mauserte sich im Laufe der Jahre zum Hoflieferanten preußischer, niederländischer und belgischer Königshäuser.
LambertzViel Tradition: die Marke Lambertz, hier um 1938.
1976 jedoch befand sich das Unternehmen in einer schwierigen Lage. Es war hoch verschuldet und produzierte ausschließlich ebenjene Aachener Printen. Ein rein regionales und zudem noch saisonales Geschäft. Dr. Hermann Bühlbecker, einige Jahre Tennisspieler in der höchsten deutschen Spielklasse, hatte gerade sein BWL-Studium samt Promotion abgeschlossen, als ihm Mutter, Tante (beide Nachfahrinnen der Lambertz-Linie) und Onkel signalisierten: „Falls du jemals vorhast, in das Unternehmen einzusteigen, muss es jetzt sein. Sonst verkaufen wir.“ 26-jährig begann Dr. Hermann Bühlbecker zunächst als Assistent und wurde 1978 geschäftsführender Gesellschafter. „Wir waren ausnahmslos im Fachhandel vertreten, unsere Printen wurden mit Handschuhen verkauft, wir drohten, in Schönheit zu sterben“, erinnert sich der heutige Alleininhaber. Pragmatisch öffnete er das Unternehmen für den Vertrieb über Supermärkte sowie Discounter und traf frühzeitig die Entscheidung, auch für die Eigenmarken des Handels zu produzieren. Er führte erstmals Verpackungen für Lambertz-Produkte ein – in königlich roter Farbe – und erweiterte die Produktpalette, zunächst u.a. um Dominosteine und gefüllte Herzen.
LambertzAm Elisenbrunnen in der Aachener Innenstadt hat die Lambertz-Gruppe im April 2025 den Flagship Store „Haus zur Sonne“ eröffnet.
Strategisch ebenso wichtig: die Zukäufe von Unternehmen, wenn sich die Chance ergab und die Banken mitspielten. Den Anfang machte 1988 die Beteiligung an der Feinbäckerei Otten in Erkelenz, die u.a. Florentiner, Baumkuchen und Vitalgebäck herstellt, womit zugleich das Ganzjahresgeschäft gestärkt war. 1994 wurden der Marktführer für Lebkuchen Max Weiss aus Neu-Ulm sowie Ferdinand Wolff aus Nürnberg übernommen, 1999 der regionale Wettbewerber Wilhelm Kinkartz sowie die Vereinigte Nürnberger Lebkuchen- und Schokoladenfabrik Haeberlein-Metzger. Die Wurzeln der Marke Haeberlein-Metzger reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück – die Lambertz-Gruppe ist somit im Laufe der Zeit noch traditionsreicher geworden. 2014 sicherte sich Lambertz die Mehrheitsbeteiligung an der Marke Dr. Quendt, dem Marktführer für Dresdner Stollen, und übernahm diese 2018 komplett. 2015 erweiterte zudem Wendler Nougat das Portfolio. Eine Aufzählung, die längst nicht vollständig ist. „Für mich ging es nie vorrangig darum, größer zu werden, sondern unsere Kompetenz zu erweitern“, erläutert der Unternehmer seine Strategie.
LambertzAm laufenden Band: Zwischen September und Dezember verkauft die Lambertz-Gruppe etwa 600 Millionen Dominosteine.
Dass die Zukauf-Strategie von Erfolg gekrönt ist, liegt auch daran, dass Dr. Hermann Bühlbecker die jeweiligen Marken weiter in ihrer Authentizität und Regionalität pflegt, sie also nicht einfach unter der Marke Lambertz subsummierte. „Die Belegschaften honorieren das. Sie merken, dass wir ihre Identität bewahren und nicht reihenweise Leute vor die Tür setzen, um Synergieeffekte zu realisieren.“
Aachener Printen, Nürnberger Lebkuchen und Dresdner Stollen unterliegen aber auch geographisch geschützten Herkunftsbezeichnungen, ähnlich wie Champagner. Sie sind durch EU-Recht besonders geschützt, um das kulinarische und auch kulturelle Erbe der Regionen zu sichern. Zu den Qualitäts-Richtlinien zählt, dass Dresdner Stollen eben auch nur in Dresden hergestellt werden dürfen und nicht etwa in Polen, wo die Lambertz-Gruppe mittlerweile ebenfalls zwei ihrer insgesamt acht Produktionswerke betreibt. Made in Germany ist für diese Produkte also garantiert.
Der Erfolg des Hidden Champions bestätigt sich in Zahlen: Als Dr. Hermann Bühlbecker das Unternehmen übernahm, lag der Umsatz bei 16 Millionen D-Mark. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte die Lambertz-Gruppe einen Gesamtumsatz von 736 Millionen Euro. Rund 4.000 Mitarbeitende werden beschäftigt. Rund 50 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet die Lambertz-Gruppe heute mit Ganzjahresgebäck. Sie ist beispielsweise auch zum nationalen Marktführer von Biogebäck avanciert, womit dem steigenden Gesundheits- und Nachhaltigkeitsbedürfnis Rechnung getragen wird. Auf das Thema Nachhaltigkeit zahlt außerdem ein, dass seit 2017 für alle Lambertz-Produkte ausschließlich Fairtrade-Kakao bezogen und zertifiziertes Palmfett eingesetzt wird, wenn man nicht gleich komplett auf Palmfett verzichtet. Nach dem Motto „Tradition pflegen. Innovation leben“ wird Wert daraufgelegt, Verbraucherbedürfnisse frühzeitig zu erkennen.
Bei Herbst- und Weihnachtsgebäck indes sei wichtig, dass alles bleibt, wie es ist. „Hier kaufen Menschen Emotion und Erinnerungen an die Kindheit ein“, weiß der Lambertz-Inhaber und berichtet: „Wir fangen bereits im April mit der Herstellung an. Ende August stehen etwa 150.000 Paletten in den klimatisierten Lagern bereit. Das sind dreistellige Millionenbeträge, die wir in dieser Zeit vorfinanzieren.“ Der absolute Abverkaufsrenner sei die 500-Gramm-Packung „Herzen Sterne Brezeln“ der Marke Weiss. Daneben stünden Gebäckmischungen der Marke Lambertz in Weißblechdosen besonders hoch im Kurs, sog. Konferenzgebäck, das sich auch in den USA sehr gut verkaufe, wo Lambertz seit 2007 eine eigene Niederlassung hat.
Dr. Hermann Bühlbecker mit Michail Gorbatschow vor dem deutschen Reichstag.
Die Lambertz-Gruppe hat bis heute nach eigenen Angaben keinen Euro für klassische Endverbraucher- beziehungsweise Fernsehwerbung ausgegeben. Stattdessen ist Dr. Hermann Bühlbecker wahrscheinlich einer der Erfinder dessen, was man Content-Marketing oder auch Storytelling nennt. „Ich hatte ja anfangs kein Geld für Werbung, das war sozusagen meine ‚Notlösung‘“, schmunzelt er. Deutsche Staatspräsidenten, Bundeskanzler und Co. verschenken Lambertz-Produkte als offizielle Staatsgeschenke. Seit der ehemalige Vizekanzler Hans-Dietrich Genscher Dr. Hermann Bühlbecker bat, die Präsente persönlich aus Unternehmerhand zu überreichen, nahm ein illustres Netzwerk Gestalt an. Heute pflegt Dr. Hermann Bühlbecker enge Kontakte zu royalen Familien, Politikern, Prominenten. Auf Fotos ist er mal mit Michail Gorbatschow zu sehen, mal mit Bill Clinton oder König Charles. Seit mehr als 20 Jahren organisiert Lambertz zur größten Südwarenmesse der Welt, der ISM, eine Chocolate & Fashion-Show (die „Lambertz Monday Night“), über die weltweit berichtet wird. Dr. Hermann Bühlbecker ist außerdem Mitveranstalter der Media Night zur Eröffnung des jährlichen Aachener Reitturniers CHIO. „Wir erzielen durch unsere Aktivitäten sehr viel mediale Aufmerksamkeit“, freut sich der Markenbotschafter.
Seit über 20 Jahren organisiert Lambertz zur größten Süßwarenmesse der Welt, der ISM, eine Chocolate & Fashion-Show, die „Lambertz Monday Night“.
The story of my company is the story of my life.
Zu alledem hielt Dr. Hermann Bühlbecker als Honorarprofessor viele Jahre Vorlesungen an der International School of Management (ISM) in Dortmund, war neun Jahre stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie und ist noch heute im Vorstand für Gebäck. Er ist Senator des Verbands „Der Mittelstand. BVMW“ und Honorarkonsul des größten Kakao-Anbaulandes der Welt – der Elfenbeinküste. 2003 wurde Dr. Hermann Bühlbecker für die Auszeichnung „World Entrepreneur of the Year“ nominiert und in den Kreis der besten Unternehmer der Welt aufgenommen. Vielfach wurde Lambertz als „German Superbrand“ ausgezeichnet, 2012 vom Verlag Deutsche Standards Editionen sogar als „Marke des Jahrhunderts“. 2004 wurde Dr. Hermann Bühlbecker, der sich weltweit sozial engagiert, das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. 2018 folgte der NRW-Verdienstorden, 2021 der Goldene Zuckerhut, die höchste Auszeichnung der deutschen Lebensmittel- und Konsumgüterwirtschaft, für sein Lebenswerk. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. „The story of my company is the story of my life“, so der Unternehmer.
Da stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Bereits seit 2004 fungiert Dr. Hermann Bühlbecker als Beiratsvorsitzender der Lambertz-Gruppe. Die operative Geschäftsführung hat er an die familienfremden Manager Romeo Odak und Manfred Vondran abgegeben. „Ziel ist, die Lambertz-Gruppe als Familienunternehmen zu erhalten. Meine Frau ist stellvertretende Beiratsvorsitzende. Zudem habe ich Kinder. Ich sehe die Rolle der Familie aber auch künftig eher im Beirat. Aufgabe wird es sein, stets ein gutes Management zu haben, dass die Gruppe in unserem Sinne führt.“
Dr. Hermann Bühlbecker glaubt jedenfalls an die Zukunft. Die Lambertz-Gruppe liefert in 60 Länder der Welt. Bei der Exportquote von 24 Prozent sieht der Beiratsvorsitzende noch Luft nach oben. „Unsere Kern-Produkte sind international nur wenig bekannt und daher schwer exportierbar. Aber bei unserem Ganzjahres- und insbesondere Biogebäck ist sicher noch einiges möglich. Auch die deutschen Discounter expandieren weiter – und wir mit ihnen.“
Die Gegenwart ist geprägt von einer ganzen Reihe Turbulenzen, ob es die hohen Standortkosten in Deutschland sind, die Zölle oder die explodierenden Kakaopreise. Dr. Hermann Bühlbecker begegnet diesen Herausforderungen – wie allen anderen zuvor – mit aktiver Gelassenheit: „Als Mittelständler agieren wir nicht mit Blick auf kurzfristigen Profit, wir denken langfristig.“ Eine frohe Botschaft zu Weihnachten!

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