
Beim 35. Karrieretag Familienunternehmen im X-Dock von Fiege herrschte richtig gute Stimmung – nicht nur dank Popcorn und Eiscreme. Rund 600 Top-Talente mit Lust auf einen Job bei einem Familienunternehmen waren zum Münsteraner Hafenbecken gekommen. Mehr als 50 Unternehmen, darunter viele Hidden Champions, freuten sich auf die Fachkräfte und zeigten: Wir wollen euch – und haben viel zu bieten!
„Der Karrieretag schafft für Familienunternehmen die perfekte Plattform, um sowohl mit den Führungskräften von morgen als auch mit erfahrenen Bewerberinnen und Bewerbern in den Austausch zu kommen und ihnen zu zeigen, was für spannende und vielfältige Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten in Familienunternehmen auf ambitionierte Fachkräfte warten“, sagte Ausrichter Jens Fiege, der das über 150 Jahre alte Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Cousin Felix Fiege in fünfter Generation als Co-CEO führt, in seiner Begrüßung. Auf gleich drei Etagen des neuen Bürogebäudes bot der Logistikdienstleister den rund 50 Familienunternehmen Raum für Unternehmenspräsentationen, Standgespräche und mehr als 1.000 vorterminierte Einzelinterviews.
Jennifer UhlenbruchDie Mitarbeitenden von Abus hatten rund 20 Interviews im Vorfeld der Messe terminiert. Die meisten Besucher kamen aber spontan vorbei und suchten das Gespräch.
Für Kranhersteller Abus ist die Messe ein vielversprechender Zugang zu neuen Fachkräften. Dreimal war das Unternehmen bisher beim Karrieretag dabei. Die Bilanz: drei Einstellungen pro Messe. Deswegen waren die Gummersbacher auch in Münster mit großer Manpower angereist. Drei Personaler und zwei Mitarbeiter der Fachabteilungen nutzten die Messe für Gespräche mit interessierten Besuchern; rund 20 Einzelinterviews hatten sie bereits vorab nach der Sichtung der eingegangenen CV-Books vereinbart.
Aber auch abseits der Einstellungen sei es für das Unternehmen wichtig, beim Familientag dabei zu sein. „Wir sind hier als Marke präsent und können uns vorstellen. Manchmal melden sich Monate nach der Messe noch Besucher bei uns und bewerben sich“, berichtete Stefan Schultz, stellvertretender Personalleiter.
Für Hidden Champion Heitkamp und Thumann ist der Familientag sogar Chefsache: CEO Dietmar Schmitz kam extra aus Düsseldorf und war „total begeistert von dem Aufbau der Messe und den engagierten, tollen Leuten hier“. Der Familientag sei ein Weg, um den Hersteller für Präzisionsformteile aus Metall und Kunststoff bekannter zu machen. „Früher war es nicht so wichtig, als Unternehmen bekannt zu sein. Aber die Welt hat sich geändert. Wir wollen Champion sein, aber nicht hidden. Wir tun viel Gutes und sind ein tolles Unternehmen. Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, betonte Dietmar Schmitz. Für ihn sei es wichtig, jeden im Unternehmen mit Namen begrüßen zu können – auch das unterscheide Familienunternehmen von den großen Konzernen. „Hier gibt es keine abgeschlossenen Vorstandsetagen. Wenn einer mit mir reden will, dann kann er das tun."
Inhaber haben ein Interesse an langfristigem Wachstum, sie brennen für ihr Unternehmen und wissen, was der Einzelne wert ist.
Diesen direkten Draht zur Führungsetage schätzt Messebesucherin Jenny Adebahr. Die Hamburgerin hat bereits für verschiedene Familienunternehmen gearbeitet: „Ich habe eine richtige Mittelstands-Vita“, erzählte sie lachend. „Für mich hat es einen hohen Wert, für ein familiengeführtes Unternehmen tätig zu sein. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber meist haben die Inhaber ein Interesse an langfristigem Wachstum, sie brennen für ihr Unternehmen und wissen, was der Einzelne wert ist. Ich mag es, dichter an der Führungsetage dran zu sein und Verantwortung zu tragen. Aber: Man surft auch härter am Wind“, berichtete die Marketing- und Vertriebsberaterin, die eine langjährige Berufserfahrung vorweisen kann.
Dennoch werde sie in letzter Zeit weniger zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. „Der Eindruck drängt sich auf, dass es etwas mit dem Alter zu tun hat.“ Deswegen habe sie sich für die Teilnahme am Karrieretag beworben. „Ich erhoffe mir davon, hier mit den Entscheidern direkt ins Gespräch zu kommen.“
Der Entrepreneurs ClubAn den Ständen kamen Mitarbeitende der Familienunternehmen und interessierte Besucher ins Gespräch.
Während Jenny Adebahr die Arbeit in Familienunternehmen genau kennt, ist sie für andere Messebesucher Neuland. Sie wollten in Münster ein erstes Gefühl für Familienunternehmen bekommen. „Ich arbeite schon immer für große Konzerne. Und in Deutschland herrscht auch hier Schubladendenken: einmal Konzern, immer Konzern“, so die Wahrnehmung einer Gelsenkirchenerin, die im Energiesektor tätig ist. „Die Stakeholder sitzen in den USA; der Aktienkurs ist das, was zählt. Bei Familienunternehmen stelle ich mir das Umfeld anders vor.“
Auch ein 34-jähriger Besucher aus dem Ruhrgebiet wollte sich beim Karrieretag erst einmal ansehen, „wie die Familienunternehmen so ticken“. Derzeit arbeitet er für einen großen Konzern. „Ich bin glücklich, wo ich gerade bin. Aber es herrscht auch eine große Anonymität.“ Die Firmenkultur in einem Familienunternehmen stellt er sich anders vor. „Man arbeitet bestimmt anders zusammen, wenn der Chef jeden Tag mit den Mitarbeitern zur Tür reinkommt, als wenn der CEO aus Amerika wöchentlich ein Video schickt.“
Die nächsten Karrieretage Familienunternehmen finden am 10. Juli 2026 bei der Schwarz Gruppe in Neckarsulm und am 20. November 2026 bei Abus in Wetter statt. Für den Karrieretag im Juli werden bereits Bewerbungen entgegengenommen. Bewerbungsfrist ist der 15. Juni 2026. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Karrieretages.

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