
Jobsharing auf Führungsebene – beim globalen Medizin- und Sicherheitstechniker Dräger ist das gelebte Praxis. Die Tandempartner Friederike Schwarz und Dirk Eichler sehen in ihrem Arbeitsmodell viele Vorteile für sich persönlich wie auch fürs Unternehmen.
„DiFri“ steht unter der Mail mit einem neuen strategischen Konzept, das gleich ans Team verschickt wird. Aber wer hat es geschrieben – Di (Dirk Eichler) oder Fri (Friederike Schwarz)? Das gibt das Kürzel bewusst nicht preis. „Wir wollen nach außen als Einheit auftreten und zeigen: Wir haben das beide erarbeitet. Das ist unser Ergebnis, für das wir zusammen verantwortlich sind“, sagt Friederike Schwarz.
Gemeinsam mit Dirk Eichler hat sie beim Lübecker Unternehmen Dräger seit Mai 2025 die kaufmännische Leitung des Innendienstes der Sicherheitstechnik Deutschlands und der digitalen Transformation inne. Die beiden teilen sich diese Stelle nicht; sie füllen sie gemeinsam aus. Sie leben das Tandem-Modell – aus voller Überzeugung.
DrägerDirk Eichler und Friederike Schwarz sind ständig im Austausch und enge Sparringspartner.
Beide kennen auch die One-Man/Woman-Show: Wirtschaftsingenieur Dirk Eichler war seit 2019 allein kaufmännischer Leiter des Innendienstes der Sicherheitstechnik Deutschlands, bis er 2023 für 18 Monate in Elternzeit ging. Für die Elternzeitvertretung bewarb sich Friederike Schwarz intern, sie kam aus dem Pricing und der Strategieentwicklung. „Das war für mich der ideale Test. Ich konnte ausprobieren, ob diese Rolle etwas für mich ist.“
Die heute 38-Jährige fand Gefallen an der Position, wusste aber von Beginn an um die zeitliche Befristung. Gleichzeitig wurde die digitale Transformation in ihrem Bereich ein großes Thema. Für diese Aufgabe sollte eine neue Stelle geschaffen werden. „Für Dirk und mich gehörten beide Rollen aber inhaltlich eng zusammen, da hatten wir die Idee: Lass uns daraus eine machen!“ Natürlich sei die Umstellung der Arbeitsweise zunächst „eine komische Vorstellung“ gewesen, gibt Dirk Eichler zu.
„Da Rike und ich uns vorher aber schon kannten und der inhaltliche Schnitt der neuen Rolle reizvoll war, konnte ich mir das sofort gut vorstellen. Die Erwartung war, nicht mehr als Einzelkämpfer zu agieren, sondern gemeinsam Dinge voranzubringen und einen Sparringspartner zu haben, mit dem man sich eng im täglichen Business austauscht“, erinnert sich der 36-Jährige.
Wir teilen den gleichen Blick auf die Arbeit, haben die gleichen Werte und Normen.
Ihr Vorgesetzter reagierte mit großer Offenheit auf den Vorschlag der beiden. „Aber natürlich mussten wir sowohl für ihn als auch für uns klären: Wie wollen wir dieses Tandem-Modell leben?“, berichtet Friederike Schwarz. Unterstützt von einem Coach wurde aus zwei Führungspositionen mit geteilten Aufgabenbereichen ein Topsharing-Tandem, das gemeinsam 130 Mitarbeitende führt.
„Unsere Mitarbeitenden haben sehr offen reagiert, hatten aber auch viele ganz praktische Fragen“, erinnert sich Friederike Schwarz. „Eine war: Wen rufe ich an, wenn ich ein Problem habe? Unsere Antwort: Ruf an, wen du möchtest. Das ist ja ein echter Vorteil für die Mitarbeitenden. Wir stellen unser Ego hinten an und sie dürfen es sich fachlich und menschlich aussuchen. Und wenn sie einen nicht erreichen, können sie immer noch den anderen kontaktieren. Einer von uns ist in der Regel greifbar.“
Während beide Tandem-Mitglieder ihre eigenen Telefonnummern haben, teilen sie sich ein Postfach und einen Kalender, in dem jeden Morgen ein kurzer Blocker steht, der sogenannte Check-In. Friederike Schwarz erklärt: „In unserem Check-In besprechen wir kurz, was an dem Tag anliegt und überlegen: Wer geht in welches Meeting, wo wollen wir zusammen rein? Und wir schauen auf die Woche: Wo brauchen wir längere gemeinsame Besprechungszeiten, in denen wir Dinge abstimmen können? Wo braucht wer Ruhe, um strategisch-konzeptionell zu arbeiten? Wir fragen uns aber auch: Wie geht es dir heute?“
Denn diese zwischenmenschliche Harmonie könne gar nicht hoch genug bewertet werden, finden „DiFri“. „Wenn wir uns nicht sympathisch wären, würde das Ganze nicht funktionieren. Wir teilen den gleichen Blick auf die Arbeit, haben die gleichen Werte und Normen. Wir haben dasselbe, ziemlich hohe Tempo und ziehen Themen strukturiert durch. Aber wenn Feierabend ist, ist Feierabend. Dann ruf ich Dirk auch nur im absoluten Notfall an“, sagt Friederike Schwarz, die die Vollzeitkraft im Tandem ist, während Dirk Eichler 30 Stunden die Woche für das Lübecker Unternehmen arbeitet.
Silke Ewald weiß um die vielen Vorteile, die Jobsharing Unternehmen bringt.
Dass das Tandem-Modell Führung in Teilzeit ermöglicht, ist nicht nur für Beschäftigte ein echter Gewinn, betont Silke Ewald, Leitung Employer Branding und HR Marketing bei Dräger: „Jobsharing erweitert unseren Talente-Pool, indem wir hochqualifizierte Fachkräfte gewinnen können, die eine Vollzeitstelle nicht in Betracht ziehen. Gleichzeitig unterstützt dieses Modell die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen, auch wenn es natürlich allen Geschlechtern offensteht und es bei uns im Unternehmen bereits ein rein männliches Tandem gab“, sagt sie.
Weitere Pluspunkte: „Durch die Einführung flexiblerer Arbeitszeitmodelle steigern wir unsere Attraktivität als Arbeitgeber. Ein weiterer praktischer Vorteil zeigt sich in der verbesserten Vertretungssituation bei Urlaub oder Krankheit, was die Kontinuität unserer Arbeitsprozesse sicherstellt. Interessanterweise belegen Studien, dass Tandems oft eine höhere Produktivität und Innovationskraft aufweisen. Dies unterstreicht den Mehrwert dieses Arbeitsmodells über die offensichtlichen Vorteile hinaus. Zudem fördert Jobsharing Diversität und die Vereinbarkeit von Berufs- und Lebensphasen. Diese Vorteile tragen zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit und zum Unternehmenserfolg bei.“
2020 gab es bei Dräger das erste Jobsharing-Tandem; seit 2025 wurden vier Führungspositionen mit diesem Modell besetzt – und das Interesse der Mitarbeitenden auf allen Ebenen wachse, sagt Ewald, und bewertet dies als „positive Entwicklung“.
Für Dräger sei das Tandem-Modell zudem eine gute Möglichkeit, auf Wünsche und Lebenssituationen zu reagieren. Die Mehrkosten, die durch Jobsharing entstehen, seien dabei zu vernachlässigen. „Sie sind moderat und werden durch den erheblichen Mehrwert mehr als ausgeglichen“, sagt Ewald.
Es ist möglich, bei schwierigen Themen sehr schnell eine zweite Sicht zu bekommen und sich inhaltlich auszutauschen. Die Hürde ist sehr gering.
Auch Friederike Schwarz sieht sowohl für das Unternehmen als auch für sich ganz persönlich nur Vorteile. „Mich hat jemand aus dem Team gefragt, ob ich nicht mal allein die Lorbeeren ernten möchte und gern 51 Prozent Entscheidungsmacht hätte. Aber die Antwort ist ganz klar: Nein“, sagt sie aus voller Überzeugung und erklärt: „Ich weiß, dass wir eine bessere Entscheidung treffen, wenn wir beide unseren Blick darauf werfen. Und es tut mir gut zu wissen, dass wir eine Sache von allen Seiten betrachtet haben. Das gibt mir Ruhe. Es ist schön, die Verantwortung zu teilen und es macht Spaß, Erfolge gemeinsam zu feiern. Wenn Themen nicht gut gelaufen sind, dann reflektieren wir gemeinsam. Wir spiegeln uns schnell und direkt. Da wächst man in kurzer Zeit sehr schnell – fachlich und auch menschlich.“
Tandempartner Dirk Eichler betont: „Es ist möglich, bei schwierigen Themen sehr schnell eine zweite Sicht zu bekommen und sich inhaltlich auszutauschen. Die Hürde ist sehr gering. Am Ende führt dies zu qualitativ besseren Entscheidungen. Zudem können sehr komplexe Themen ohne große Hürden gemeinsam konzeptionell erarbeitet werden. Wir wissen, wie der/die andere tickt und sind sehr schnell auf einer konstruktiven Arbeitsebene. Für die Vereinbarung von Beruf und Familie ist das Tandem ebenfalls wertvoll, da man sich die Arbeitslast und auch Arbeitszeitverteilung gemeinsam aufteilen kann.“
Hintergründe und Forschungsergebnisse zum Thema Topsharing liefert Wirtschaftspsychologin Esther Himmen in einem spannenden Interview.
Jobs bei Dräger und weiteren Hidden Champions finden Sie auf unserem Jobportal.

Bleibe auf dem aktuellen Stand zu den Hidden Champions

Hidden Champions in Deutschland
Unsere Karte zeigt, wo Innovation und weltweiter Erfolg auch abseits der Metropolen stattfindet.
Unsere Karte zeigt, wo Innovation und weltweiter Erfolg auch abseits der Metropolen stattfindet.

Hidden Champion hinzufügen
Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie einen Hidden Champion kennen und dieser bisher nicht bei uns aufgelistet ist.
Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie einen Hidden Champion kennen und dieser bisher nicht bei uns aufgelistet ist.