
Das „iPhone“ kennt jeder. Aber nicht jeder weiß, dass gleich mehrere Hidden Champions als Zulieferer daran beteiligt sind. Das ist nur eines mehrerer Beispiele, die wir für diesen Beitrag zusammengetragen haben. Sie alle zeigen: Viele bekannte Produkte wären ohne die Helden im Hintergrund kaum umsetzbar. Zugleich wird deutlich, warum Champions oftmals hidden sind. Zeit, sie sichtbar zu machen.
„Kaum ein Auto fährt, kaum ein Flugzeug fliegt, kaum eine OP findet statt, ohne dass zuvor unsere hochpräzisen, auf tausendstel Millimeter genauen Zerspanungswerkzeuge zum Einsatz kommen“, sagt Markus Horn, in dritter Generation CEO des Tübinger Familienunternehmens Paul Horn.
MarquardtMarquardt fertigt u.a. Lenkradbedienfelder für Autolenkräder.
Hidden Champion Marquardt hat im letzten Jahr ein humorvolles Imagevideo veröffentlicht, in dem es heißt: „Wir sind Experte für Mechatronik. Das ist eine Mischung aus Mechanik, Elektronik und Software. Mechatronik versteht nicht jeder, aber jeder kennt solche Produkte.“ Gezeigt werden in dieser Videosequenz eine Bohrmaschine, für die Marquardt beispielsweise Ein-/Aus-Schalter liefert, eine Waschmaschine, für die u.a. Sensoren zur präzisen Messung des Wasserfüllstandes in der Waschtrommel hergestellt werden, und ein Autolenkrad, für das Marquardt Lenkradbedienfelder ebenso im Programm hat wie verschiedenste Schalter, Steuergeräte oder Sensoren, die erkennen, ob der Fahrer die Hände am Steuer hat. Marquardt-Lösungen sind insofern in weit verbreiteten Produkten versteckt. Sie sind hidden. Im Video heißt es dazu: „Und Champions, weil ohne sie nichts läuft.“
Ob Paul Horn oder Marquardt: Die Mittelständler bewegen sich mit ihren Erzeugnissen weitgehend in reinen Business-to-Business-Märkten ohne direkten Konsumentenkontakt. Das ist ein Grund, warum sie trotz ihrer marktführenden Positionen öffentlich weniger bekannt sind und als Hidden Champions gelten. Ein weiterer Grund: Zum Schutz vertraulicher Geschäftsbeziehungen können oder wollen Hidden Champions mitunter keine Angaben zu Kundenbeziehungen machen, obwohl oder weil sie das Who is who an Marken beziehungsweise Unternehmen beliefern. Und wenn sie es publik machen, dann meist nur mit einem klaren „Go“ ihrer Auftraggeber.
MK TechnologyFeingussproduktionsstrecke von MK Technology.
MK Technology mit Sitz in Grafschaft bei Bonn, stellt u.a. Vakuumgießanlagen her. Die US-Sicherheitsbehörde FBI war bereits Auftraggeber in diesem Segment. „Was sie mit unserer Vakuumgießanlage gebaut haben, hat man uns aber natürlich nicht verraten“, schmunzelt Michael Kügelgen, Gründer und CEO. Der Internetkonzern Meta, das wiederum ist kein Geheimnis, bestellte eine entsprechende Anlage für seine VR-Brille „Oculus“. Stärkstes Standbein von MK Technology sind Feingussanlagen. Das hochpräzise Metallgießverfahren wird u.a. für die Herstellung komplexer Bauteile für die Luft- und Raumfahrt genutzt, wo es bekanntlich auf jedes Detail ankommt. 2016 beauftragte das Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk MK Technology. Der Mehrwert, den die gelieferte Anlage bietet: Mit ihr kann ein Raketentriebwerk innerhalb eines Tages gebaut werden. Zuvor habe ein solcher Prozess Wochen in Anspruch genommen. Bis heute bestellt SpaceX regelmäßig Verschleiß-/Ersatzteile bei dem deutschen Hidden Champion nach, berichtet Michael Kügelgen.
„Apple setzt auf deutsche Präzisionsarbeit“: So lautete 2023 der Titel eines Artikels in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Darin hieß es: „Alles in allem sollen die Amerikaner in Deutschland mit mehr als 800 Zulieferern zusammenarbeiten.“ Konkret genannt wurden u.a. Varta (für Batterien) und Delo (für Klebstoffe). Und außerdem: „Der schwäbische Spezialmaschinenbauer Trumpf liefert an Apple jene winzigen Laser für energiesparende Sensoren, die etwa den Bildschirm des iPhones automatisch ausschalten können, wenn man das Gerät als Telefon ans Ohr hält.“ Gegenüber unserer Redaktion äußerten sich Varta, Delo und Trumpf bewusst nicht zur etwaigen Zusammenarbeit. Schon 2019 hatte der „Tagesspiegel“ im Beitrag „So viel Deutschland steckt im iPhone“ geschrieben: „Um seine Zulieferer macht Apple gern ein Geheimnis. Seine 200 größten Auftragnehmer muss der Konzern aber preisgeben.“ Konkret: Der Konzern müsse der US-amerikanischen Börsenaufsicht jährlich eine Namensliste vorlegen. Das Resümee des Autors: „Deutschland profitiert wie kaum ein anderes Land von der iPhone-Produktion.“
Wickeder Westfalenstahl GmbHDie Wickeder Group fertigt hochfunktionale metallische Werkstoffe, die in zahlreichen Premiumelektronikgeräten eine zentrale Rolle spielen.
Im Tagesspiegel-Beitrag ist die Wickeder Group als Zulieferer genannt. Christian Mecking, Head of Corporate Development, Strategy & Marketing, bestätigt: „Die Wickeder Group entwickelt und produziert hochfunktionale metallische Werkstoffe, die in zahlreichen Premiumelektronikgeräten eine zentrale Rolle spielen – unter anderem in Komponenten, die in Apple-Produkten eingesetzt werden. Unsere Materialien kommen insbesondere in Bauteilen zur elektromagnetischen Abschirmung sowie zur Wärme- und Hitzeabschirmung zum Einsatz. Sie schützen empfindliche elektronische Komponenten vor Störeinflüssen, sichern die stabile Signalübertragung und leiten entstehende Wärme zuverlässig ab. Damit leisten wir einen entscheidenden Beitrag dazu, dass moderne Geräte trotz immer kompakterer Bauformen leistungsstark, langlebig und sicher funktionieren.“ Christian Mecking verweist auf weitere Trümpfe des Hidden Champions: „Wir liefern Qualität auf Mikrometer-Niveau. Dank unseres Green-Loop-Ansatzes fließen außerdem Produktionsschrotte vollständig in den Recyclingkreislauf zurück und dienen als wertvolle Basis für neue Werkstoffe.“
Werner & MertzDie bekannte Marke Frosch von dem (noch) nicht ganz so bekannten Traditionsunternehmen Werner & Mertz.
Mitunter stellen Hidden Champions auch selbst bekannte Produkte her, ohne dass der breiten Öffentlichkeit die Unternehmensnamen geläufig sind. Das Spielzeug „Playmobil“ kennt jeder. Aber die dahinterstehende Horst Brandstätter Group? Wie sieht es aus bei Werner & Mertz? Das in fünfter Generation geführte Familienunternehmen ist Marktführer für ökologische Reinigungsprodukte, Pflege- und Waschmittel. Bei Nennung der Markennamen „Frosch“, „Erdal“ und „Emsal“ dürfte es klingeln ... „In der Öffentlichkeitsarbeit heben wir natürlich diese Vertrauensmarken hervor und werben damit“, erklärt Birgitta Schenz, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Werner & Mertz, die Strategie. Das Engagement von Inhaber Reinhard Schneider und Team in puncto Nachhaltigkeit beziehungsweise insbesondere Kreislaufwirtschaft habe aber dazu geführt, dass auch Werner & Mertz selbst über Fachkreise hinaus immer bekannter werde. Das sei nicht zuletzt für das Employer Branding wichtig. „Wir wissen aus Bewerbungsgesprächen, dass Werner & Mertz sich als Mainzer Traditionsunternehmen und Öko-Pionier inzwischen durchaus einen Namen gemacht hat“, freut sich Birgitta Schenz. „Unsere Bewerberinnen und Bewerber wissen jedenfalls schon im Vorfeld, dass Werner & Mertz das Herstellerunternehmen von Frosch und Co. ist. Über unsere Website und auf LinkedIn erfahren sie viel über unser Unternehmen.“ Und jetzt auch über das Hidden-Champions-Portal.

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Hidden Champions in Deutschland
Unsere Karte zeigt, wo Innovation und weltweiter Erfolg auch abseits der Metropolen stattfindet.
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